Im Arsch, im Arsch, im Arsch.

Sie haben es mir vorausgesagt, dass sich immer wieder alles im Kreis drehen wird. Fehlt nur das ich mir wieder die Pulsader öffne und in einer Klinik lande. Ich bin einfach nicht fähig und so sehr ich mir gern sagen würde, dass ich nichts dafür kann, es wäre gelogen. Es ist meine eigene Schuld. Alles ist meine Schuld. Ich gestehe. Und es wird immer so bleiben, diese endlose Abwärtsspirale, ist auf mich geschneidert. Mein Herz erdrückt vor der ganzen Last der Welt. Verantwortung. Ich möchte sagen: ich kann nicht mehr. Doch ich hasse mich dafür das ich es auch nur denke.

Gestern Nacht wollte mein rasender Puls mich nicht schlafen lassen. Die Rasierklingen habe ich nicht gefunden, dafür habe ich was geschrieben:

Leben

Stumm und kraftvoll
leer wie bitter
kariöses Gebilde
meiner Elendigkeit 

Schauer von Kapitulation
in komplizierten Brüchen
kracht die Seele gegen Wände 

Bittersüß schmeckt der Abgang
brüllt der Herzschlag in mein Ohr

Der letzte Ast gibt ächzend nach 

Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst. Ich kann nur noch zusehen, wie ich handle. Wenn überhaupt.  

2.3.09 10:27


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Heute ist schon wieder so ein Tag. Um 12 ungefähr bin ich nach Hause gefahren, hab mich ans lernen gesetzt. Danach hab ich gegessen und versucht mich wieder ans lernen zu setzen. Das Gefühl ersticken zu müssen, nicht mehr bleiben zu können, Unruhe in der Brust und dieser Druck. Irgendwann bin ich rausgegangen, was einkaufen. Es wurde nicht viel besser. Ich habe mein Bild weitergemalt und dabei ferngesehen. Anschließend bin ich zum Training gefahren. Wieder hier, wollte mich die Enge auffressen. Nach dem Duschen gings etwas besser. Ich habe mich mit dem Gedanken angefreundet, heute Abend allein zu sein. Ich hab mir was zu essen gekocht und ferngesehen. Und da war es wieder, dieses eklige Gefühl von Rastlosigkeit, was sich mittlerweile zur Verzweiflung ausdehnt. Meine Therapeutin will das ich meinen Tagesablauf an diesen Tagen notiere, in jedem kleinsten Detail. Wie soll ich so weiterleben, wenn ich nicht mal einen Tag in meiner Wohnung aushalte. Und dann fange ich an die Ratten zu hassen und sie zu verwünschen und mich dafür zu hassen, sie zu hassen.

Vielleicht bin ich nur müde. Vielleicht habe ich immernoch nicht gelernt auf meinen Körper zu hören. Ich brauche Ruhe und Hilfe. Vielleicht.

Und jetzt muss ich weinen. Ich weiß nicht mal warum. Vielleicht weil ich mir grade vorgestellt habe, wie schön es wäre, wenn sich irgendjemand um mich kümmern würde. 

25.2.09 22:24


Heute war ein schöner Tag. Auch wenn die Unproduktivität an mir nagt, wie eine hungrige Ratte, es war schön. Ich habe Sonne getankt, um diesem Grau zu entkommen. Ich mache Fortschritte. Ich probiere neue Sachen aus. Ich traue mich. Selbst wenn der Typ im Sonnenstudio nervt, gehe ich trotzdem hin. Niemand kann mir was, weil ich glücklich bin. In die Sonne hineingeskatet und den lang ersehnten Mini-backofen besorgt. Wäsche waschen macht mir besonders Spaß. Als würde ich ein Stück Seele reinigen und dann der Duft meines tollen Weichspülers. Und das Feld, das vor einem liegt, wie ein ausgebreiteter grüner Teppich, Zeit zum ausatmen.

Ich bin nur so schrecklich erschöpft. 

24.2.09 20:44


Fangen wir von vorne an: 

Meine Oma hatte ein verdammt hartes Leben. Aufgewachsen in einem Berg-Dorf im Iran, in einer Gegend in der man als Frau am besten nichts weiter tut als zu hause zu sein, lernte sie den Mann kennen, der ihr ganzes Leben zerstören sollte. Ihr Vater war der hiesige Schuldirektor, ein angesehener gebildeter Mann. Die finanzielle Lage war dennoch durch die insgesamt 6 Kinder so dramatisch, dass das 7. Kind abgetrieben wurde. In dieser Einöde besuchte diese Familie ein junger Musiker, ein Aserbaijaner, im Iran aufgewachsen. Ihr Vater missbilligte diesen Mann. Musiker waren nicht gut angesehen. Sie verliebten sich unsterblich ineinander. Meine Oma, eine wunderschöne Frau und dieser Fremde, mit geheimnisvollen Versprechungen im Koffer. Ihr Vater verbot ihr die Heirat, eher würde sie sie verstoßen, als sie mit ihm ziehen zu lassen. Dennoch ging sie, ihre Liebe war zu groß und die Vorstellung in die Hauptstadt zu ziehen, voll Leben und Möglichkeiten, zu reizvoll. Dort war sie völlig allein, keine Verwandten, keine Freunde. Sie wurde schwanger, meine Mutter kam zur Welt. Es war eine schwere Geburt und anschließend folgte eine Brustentzündung. Meine Mutter musste per Flasche ernährt werden. Langsam fing das Elend an zu zünden. Seine Familie schikanierte sie, er schlug sie, ließ sie links liegen. 5 Jahre später war sie erneut schwanger. Während der Schwangerschaft schlug er sie weiter, es ging auf das Ende zu. Diesmal war die Schwangerschaft schön, ein Sohn kam zur Welt, ihr Sonnenschein. Meine Mutter konnte sie nie gut leiden, aber dieser Sohn...der ganze stolz. Ihr Mann fing eine Affäre an, die Neue wusste nichst von meiner Oma. Sie war um einiges jünger und wunderschön. Schließlich verließ er sie. Meine Oma arbeitete als Lehrerin, meine 5jährige Mutter musste auf einen Säugling aufpassen, ohne zu wissen, was sie tun sollte. Wenn er weinte, weinte sie mit, bis beide vor Müdigkeit einschliefen. Meine Mutter wurde in der Familie herumgereicht. Sie fühlte sich so ungeliebt, dass sie in der 3. Klasse die Schule verweigerte. Ihr Vater war mittlerweile ein angesehener Musiker, der Dirigent des Staatsorchesters. Er fehlte ihr sehr. so sehr, dass sie mit seinem Foto unter dem Tisch verschwand und meine Oma ihm einen Brief schrieb, dass er sich doch bitte um seine Tochter kümmern sollte, weil sie ihn vermisst. Er jedoch, vermutete in dem ganzen Unternehmen einen Versuch meiner Oma ihn zurückzubekommen und verweigerte sich. Mit der neuen Frau zeugte er zwei Söhne. Langsam zogen auch die Brüder meiner Oma in die Hauptstadt, so war sie nicht ganz allein. Meine Mutter und ihr Bruder waren mittlerweile ein Herz und eine Seele. Baute er Mist, stand sie für ihn ein, weil sie wusste, dass ihr Vater sie niemals schlagen würde. Sie war papas Liebling. Er nicht. Die Krankheit meiner Oma fing an deutlich zu werden. Sie wurde eingeliefert: Diagnose Schizophrenie. Nach gewzungener Behandlung, kam sie meiner mutter vor wie ein neuer Mensch. So freundlich und lieb. Ihre Stiefmutter ersetzte ihr ein wenig die Mutter, mit ihr konnte sie reden. Sie war keine schlechte Frau. Irgendwann wuchs ein Tumor in der Brust meiner Oma. Amputation. Ihr Sohn wurde in den Kriegsdienst eingezogen, eigentlich wollte er Pianist werden. Irak-Iran-Krieg. Er in der vordersten Reihe, als Minen-aufspürer. Erschossen. Der Tod ging um. Freunde wurden hingerichtet, Verwandte wurden aufgehängt, in der Zeitung die Todeslisten. Und dann der Bruder, das wichtigste, die Seelenhälfte.

Fortsetzung folgt 

21.2.09 11:06


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